OpenDNS: Gehen Sie in das Gefängnis!

Wer kennt den Satz aus Monopoli® nicht:  „Gehen Sie in das Gefängnis, begeben Sie sich direkt dorthin, gehen Sie nicht über Los und ziehen sie keine 2000 Euro ein!“  So oder so ähnlich könnte es in Zukunft für Nutzer offener Domain Name Server heißen. OpenDNS ist hier nur symbolisch als offener DNS-Server gewählt. Die Nutzung alternativer DNS-Server könnte bald schon als strafbare Handlung gewertet werden.

Verkehrsschild: Vorsicht – OpenDNS

Jörg Ziercke, Chef des Bundeskriminalamts (BKA), hat darauf hingewiesen, dass die Umgehung von Kinderporno-Sperren strafbar ist. Da man mit alternativen DNS-Servern auch die Staatliche Web-Zensur umgehen kann, könnte dies einen Anfangsverdacht für ein Ermittlungsverfahren begründen. Ich bin gespannt, wann es die erste Hausdurchsuchung wegen Nutzung eines OpenDNS-Servers gibt. Zufallsfunde, die bei der Durchsicht sichergestellter Computer gefunden werden, dürften von Polizei und Staatsanwaltschaft als Beweismittel übrigens auch nach rechtswidriger Wohnungsdurchsuchung verwendet werden.

Schon vor der Verabschiedung des Zugangserschwerungsgesetzes gab es Gründe für die Nutzung von OpenDNS und Co. Fällt zum Beispiel der DNS-Server des eigenen Zugangsproviders aus, so kann ein alternativer DNS-Server die ungestörte Nutzung des WWW ermöglichen. Auch kann man sich durch die Verwendung von OpenDNS vor Phishing-Schützen. Aus Protest gegen die staatlicher Zensurmaßnahmen offene DNS-Server zu nutzen, ist ein weiterer Grund.

Folgt man jedoch der Argumentation des BKA-Chefs, so müssten harmlose OpenDNS-User im Zweifelsfall beweisen, dass sie den alternativen DNS-Server nicht gewählt haben, um die staatliche Internet-Zensur zu umgehen. Selbst wenn sie dies beweisen könnten, alleine der Kinderporno-Verdacht dürfte im privaten und beruflichen Umfeld einen nicht unerheblichen Schaden anrichten.

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4 KommentareHinterlasse einen Kommentar

  1. Jetzt aber mal langsam…
    Herr Jörg Ziercke redet viel Unsinn, wenn der Tag lang ist und was er sagt, ist keineswegs juristisch richtig, nur weil es aus dem Munde des Chefs des BKA kommt. Es ist nach wie vor erlaubt, OpenDNS- Server im eigenen Router oder in der Netzwerk- Konfiguration seines PC’s einzutragen. Es gilt auch nicht die Umkehrbeweislast des Benutzers, die Verwendung eines OpenDNS- Servers zu rechtfertigen. Das Argument, falls bei jemandem belastendes (KiPo) Datenmaterial gefunden wird, gerade weil man festgestellt haben will, dass der Beschuldigte die Internetsperren vorsätzlich umgangen habe, ist Blödsinn. Das BKA kann nur anhand der Protokolle des Stoppschild- Servers die IP- Adresse des Internetusers ermitteln und daraus natürlich dessen Identität. Das funktioniert aber nur, wenn derjenige beim Aufruf einer (möglicherweise) verbotenen Internetseite auf den Stoppschild- Server umgeleitet wurde. Das wiederum geschieht nur, wenn der Betroffene keinen OpenDNS- Server verwendet und nur, wenn hinreichend Verdachtsmomente gegen den Beschuldigten vorliegen. Laut ZugErschwG sollen die Transferdaten nur nach Vorliegen anderer Verdachtsmomente zu Ermittlungszwecken herangezogen werden. Verwendet jemand also einen OpenDNS- Server wird er erst gar nicht in den Logfiles des Stopp- Schildservers aufgeführt und die Truppe von Jörg Ziercke bekommt davon sowieso nichts mit.

    • Natürlich ist die Nutzung und Installation von OpenDNS weiterhin erlaubt. Darum geht es in meinem Blog-Eintrag auch nicht. Vielleicht solltest Du den Text noch einmal in Ruhe lesen.

      In Deutschland ist bereits der Versuch an Kinder-Pornos (KiPo) zu kommen strafbar. Ist eine IP-Adresse in so einem ‚Stoppschild- Server‘ eingetragen, so können in diesem IP-Bereich weitere Angebote auf dem Server liegen, die inhaltlich unproblematisch sind. Wenn ein User auf so eine Seite surft würde er im Normalfall das STOPP-Schild sehen. Ein OpenDNS-User bekommt davon nichts mit. Dank der Vorratsdatenspeicherung und der Telekommunikationsüberwachung können solche User aber jederzeit in das Blickfeld den Strafverfolger geraten. Und das auch noch Monate später.

      Wenn nun also eine Polizei-Behörde in der Nutzung eines freien DNS-Servers den Versuch der Umgehung sieht und aus Sicht der Beamten ‚Gefahr im Verzug‚ vorliegt, dann ist eine Durchsuchungsanordnung nicht erforderlich. Die Beamten können sofort eine Wohnungsdurchsuchung durchführen. Die juristischen Vorgaben im ZugErschwG sind für das BKA an dieser Stelle also nicht entscheidend.

      Beschlagnahmtes Material kann sofort gesichtet werden und Zufallsfunde können für weitere Verfahren genutzt werden. Damit meine ich nicht KiPo z.B. auch ein nicht lizensiertes Windows oder ein illegaler Musik-Download kann als Zufallsfund weitere Ermittlungen und eine Anzeige nach sich ziehen.

      Ein Richter könnte die Hausdurchsuchung zwar im Nachhinein als illegal einstufen, aber die Zufallsfunde dürften von Polizei, BKA und Staatsanwaltschaft trotz allem verwertet werden.

      So gerne ich Deiner Argumentation folgen würde, aber Du scheinst mir etwas blauäugig an die Sache heran zu gehen. Also träum weiter und viel Freude noch an Deinem OpenDNS-Server.

  2. „Also träum weiter und viel Freude noch an Deinem OpenDNS-Server.“
    Ich benutze keinen OpenDNS- Server, habe ich das irgendwo gesagt?

    „Du scheinst mir etwas blauäugig an die Sache heran zu gehen. Also träum weiter…“

    Findest du nicht, dass du polemisierst? Deine Unterstellung enttäuscht mich sehr. Woher nimmst du diese Gewissheit meiner Blauäugigkeit und meiner Träume – du kennst mich doch gar nicht?

    Ich habe mir deinen Text nochmals durchgelesen und komme zu keinem anderen Ergebnis:
    „So oder so ähnlich könnte es in Zukunft für Nutzer offener Domain Name Server heißen.“

    und

    „Die Nutzung alternativer DNS-Server könnte bald schon als strafbare Handlung gewertet werden.“

    Damit suggerierst du, als würde diese Gefahr einzig und allein durch die Verwendung von OpenDNS- Server herbeigeführt werden, das spielt aber keine Rolle. Wie du richtig erklärst, kann durch andere Verdachtsmomente den Strafverfolgungsbehörden mithilfe der Vorratsdatenspeicherung und Bürgerüberwachung (Telekommunikationsüberwachung ist mir zu einseitig) eine Möglichkeit der Hausdurchsuchung und Beschlagnahmung gegeben werden. Dieser richterliche Beschluss kommt definitiv nicht aufgrund der Nutzung eines OpenDNS- Servers zustande, sondern weil der Verdächtige in irgend einer Form verdächtig geworden ist (schlimm genug).
    Bei nachfolgender Feststellung, dass strafrechtlich relevante Daten gefunden werden, spielt die Verwendung eines OpenDNS- Servers keine Rolle mehr.
    Bestätigt sich kein Verdacht, spielt die Verwendung eines OpenDNS- Servers auch keine Rolle. Es muss ja nicht zwangsläufig so sein, dass jemand der KiPo konsumiert OpenDNS- Server verwendet bzw. dass jemand der OpenDNS- Server verwendet notgedrungen pädophil ist…
    Es besteht (noch) nicht die Beweislastumkehr, weshalb man einen OpenDNS- Server verwendet, auch wenn Ziercke dies behauptet und gerne so hätte. Zeig mir bitte, wo dies gesetzlich verankert ist und ich nehme alles zurück…

    • Ein richterliche Beschluss kommt sicher nicht aufgrund der Nutzung eines OpenDNS-Servers zustande. Die Strafverfolger sind nicht blöd. Niemand schreibt „wir wollen ein Haus durchsuchen, weil ein OpenDNS-Server installiert wurde“.

      Aber formulieren wir es doch mal anders. Eine Strafverfolgungsbehörde beantragt bei einem Richter eine Durchsuchungsanordnung mit der von Jörg Ziercke vorgebrachten Argumentation. Es ginge laut Antrag also um eine Durchsuchung, weil jemand technische Voraussetzungen geschaffen hat um die staatlichen Kinderporno-Sperren zu umgehen.

      Unsere Bundestagsabgeordneten sind in weiten Teilen wie die Lemminge hinter Zensursula her gelaufen, als sie „Kampf gegen Kinderpornografie“ gehört haben. Warum sollte ein Richter sich da anders verhalten?

      Das eigentliche Interesse an der Wohnungsdurchsuchung könnte irgend etwas ganz anderes sein, weswegen kein Richter eine Durchsuchung genehmigen würde. Und das kann man dann als Zufallsfund deklarieren. Praktisch, oder?

      Du fragst mich, ob ich polemisiere? Lies doch mal, was oben im Blog als Titel steht:
      „Politischer Noob – Polemisch | Ehrlich | Direkt“

      Natürlich sind meine Texte polemisch. Nur so kann man die Leute wachrütteln!


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